WIR MÜSSEN ÜBER DEN SUDAN REDEN – Denn der Konflikt wird nicht vergessen, sondern bewusst ignoriert

Es ist unbestreitbar, dass der Sudan international wenig Beachtung findet. Doch diese scheinbare Vergesslichkeit ist tatsächlich ein Akt gezielter Ignoranz und ein Ausdruck anhaltender Ausbeutung. Das bequeme Narrativ vom „vergessenen Konflikt“ entlastet die westlichen und imperialistischen Regierungen von ihrer Mitschuld und verdeckt die Art und Weise, wie sie die Kriegsmaschinerie im Sudan stützen. Gleichzeitig marginalisiert es den heldenhaften Widerstand der sudanesischen Zivilgesellschaft, die sich weiterhin gegen die Militarisierung ihres Landes auflehnt.

Was sich seit April 2023 im Sudan abspielt, ist mehr als nur ein Machtkampf zwischen den Sudanese Armed Forces (SAF) unter Abdelfattah al-Burhan und den Rapid Support Forces (RSF) unter Mohamed Hamdan Dagalo (Hemeti). Es ist die brutale Konterrevolution gegen die friedliche Revolution von 2018/19, in der Millionen Menschen für Gerechtigkeit und eine zivile Herrschaft auf die Straße gingen. Frauen führten die Proteste an, Arbeiter*innen traten in Streiks, und landesweite Widerstandskomitees brachten die drei Jahrzehnte andauernde Diktatur Omar al-Bashirs zu Fall.

Der darauffolgende faule Kompromiss – eine Übergangsregierung, die die Macht mit denselben Generälen teilte – ebnete den Weg für die Katastrophe von heute. Im Jahr 2023 zerstritten sich die Anführer von SAF und RSF, doch ihr gemeinsamer Feind blieb die Revolution. Beide Lager bekämpfen seither nicht nur einander, sondern vor allem die Zivilbevölkerung. Sie begehen entsetzliche Massaker, setzen sexualisierte Gewalt und Hunger systematisch als Kriegswaffen ein und greifen gezielt Krankenhäuser und Schulen an. Keine dieser Strukturen hat Legitimität.

Aktuelle Entwicklungen: Darfur am Abgrund

Nach mehr als 500 Tagen Belagerung ist El-Fasher, die Hauptstadt der Region Darfur, gefallen. Die RSF, mit Rückendeckung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), hat nun die Kontrolle übernommen. Darfur, das vor zwanzig Jahren schon Schauplatz eines Völkermords war, steht erneut am Abgrund. Die Welt schaut zu, während der Hunger Herzen stoppt, sexualisierte Gewalt eskaliert und sich Cholera ausbreitet.

Die Zahlen sind unfassbar: Seit dem 15. April 2023 sind über 12 Millionen Menschen vertrieben worden. Mehr als 150.000 wurden direkt getötet. Dem sudanesischen Ärzteverband zufolge sind schätzungsweise 500.000 Kinder an Unterernährung und vermeidbaren Krankheiten gestorben.

Die internationale Komplizenschaft – Ein System der Gewinnmaximierung

Der Genozid im Sudan hält auch deshalb an, weil Groß- und Mittelmächte ihn aktiv befeuern. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland, Ägypten und Saudi-Arabien liefern Geld, Waffen, Logistik und politischen Schutz. Besonders die VAE gelten als wichtigster Rückhalt der RSF: Waffen gelangen hinein, töten Zivilisten, und im Gegenzug fließt geraubtes Gold hinaus.

Gold ist zum zentralen Treibstoff dieses Krieges geworden und hat das Öl als wichtigstes Exportgut abgelöst. Sowohl die SAF als auch die RSF profitieren von diesem Handel, während ein Großteil des Goldes über Nachbarländer in die VAE geschmuggelt wird. Auch Russland ist über Firmen wie Meroe Gold als Endabnehmer tief in dieses blutige Geschäft verstrickt.

Diese internationale Verstrickung macht die Heuchelei der sogenannten Staatengemeinschaft deutlich. Parallel zu den Massakern genehmigte Deutschland im Jahr 2024 Rüstungsexporte in dreistelliger Millionenhöhe an die VAE. Die EU startete im April 2024, ein Jahr nach Beginn der Belagerung Darfurs, Freihandelsabkommensgespräche mit ebenjenen Emiraten.

Gleichzeitig drängt die EU Länder wie Ägypten und Libyen zu einer harten Grenzsicherungspolitik, um Migration über das Mittelmeer einzudämmen. Die Folge: Vertriebene Sudanes*innen werden in libyschen Lagern festgesetzt und sind dort Folter, Ausbeutung und Versklavung ausgesetzt. Im September ertranken vor der libyschen Küste mehr als hundert Menschen aus Sudan und Südsudan – ein direktes Resultat dieser unmenschlichen Abschottungspolitik.

Unser Auftrag: Die imperiale Kriegsmaschine stoppen

Die gleichen Mächte – USA, Großbritannien, EU –, die Israel mit Waffen und politischem Schutz für den Krieg gegen Gaza versorgen, machen Geschäfte mit den Regimen, die den Genozid im Sudan anheizen. Russland, Iran und China handeln indes Einfluss und Waffen gegen Gold.

Unser Auftrag ist daher klar und global: Jede Waffenlieferung, jeder profitgetriebene Vertrag und jeder Cent, der Genozide und Besatzung finanziert, muss bekämpft werden. Wir müssen Waffentransporte blockieren, mit Streiks Druck für umfassende Embargos ausüben und die Verbindungslinien zwischen allen Kämpfen gegen Unterdrückung aufzeigen. Von Deutschland und der EU aus bedeutet das: Die imperiale Kriegsmaschine muss gestoppt, Solidarität muss in globale Befreiung verwandelt werden!

Hoch die internationale Solidarität! Wir müssen über den Sudan reden – und handeln.

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