Es herrscht Krieg in Westasien – Iran

DER AUSBRUCH

Am 26. Februar 2026 erklärte Omans Außenminister Badr al-Bussaidi nach Gesprächen zwischen den USA und dem Iran, dass bedeutende Fortschritte in den Verhandlungen erzielt worden seien. Nur zwei Tage später, am 28. Februar Frühmorgens, verkündete das israelische Verteidigungsministerium einen sogenannten „präventiven Angriff“ auf den Iran mit der Begründung, Bedrohungen für den Staat Israel beseitigen zu wollen.

Bis heute existieren keine öffentlich belegten Beweise dafür, dass der Iran aktuell über Atomwaffen verfügt oder deren Herstellung unmittelbar bevorsteht. Während die USA als Unterzeichner des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) offiziell Atomwaffen besitzen dürfen, hat Israel den Vertrag nie unterzeichnet und unterliegt daher keinen internationalen Kontrollen seiner Nuklearanlagen durch die Internationale Atomenergieorganisation.

Der Angriff erfolgte vor dem Hintergrund jahrzehntelanger geopolitischer Spannungen, geprägt von einem Sanktionsregime und einer weitreichenden US-geführten wirtschaftlichen Isolationspolitik gegenüber Iran seit 1979. Diese Politik zielte nicht nur auf staatliche Strukturen, sondern traf vor allem die Zivilbevölkerung: Inflation, Währungszerfall, steigende Armut und eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung sind dokumentierte Folgen der Sanktionen, die die iranische Gesellschaft ökonomisch unter Druck setzten und regionale Konfliktdynamiken zugleich weiter verschärften.  

DIE AGGRESSOREN

Der Konflikt lässt sich nicht auf einfache Täter-Opfer-Narrative reduzieren, dennoch müssen Machtverhältnisse klar benannt werden.

Die USA bleiben eine zentrale militärische und wirtschaftliche Supermacht mit globalem Einflussnetzwerk, militärischen Stützpunkten weltweit und einer langen Geschichte direkter und indirekter Interventionen im Globalen Süden. Sanktionen und Regime-Change-Strategien unter dem Druck militärischer Drohkulissen gehören seit Jahrzehnten zu den eingesetzten politischen Instrumenten.

Israel agiert als militärisch überlegene Regionalmacht mit umfassender politischer, finanzieller und militärischer Rückendeckung westlicher Staaten. Sicherheitsargumente dienen dabei häufig als Legitimationsrahmen für Militärschläge und der Ausweitung der Machtgrenzen. Die Regierung unter Benjamin Netanyahu steht zugleich unter innenpolitischem Druck durch Korruptionsverfahren sowie internationalen juristischen Vorwürfen zum Genozid im Gazastreifen und weiteren Kriegverbrechen, was außenpolitische Eskalation auch als Mittel politischer Stabilisierung erscheinen lässt.

Die Europäische Union ist kein neutraler Beobachter sondern Teil der Machtkonstellation. Sanktionen und diplomatische Positionierungen fügen sich in eine sicherheitspolitische Linie ein, die weitgehend mit US-amerikanischen Interessen synchronisiert sind. So auch die Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation im Januar 2026. Gleichzeitig prägen politische und mediale Diskurse in vielen europäischen Staaten eine Deutung des Konflikts, die strukturelle Gewaltverhältnisse häufig ausblendet und militärische Eskalation als sicherheitspolitische Notwendigkeit normalisiert.

WER FÜHRT DEN ANGRIFF GEGEN DEN IRAN UND WARUM

Offiziell wird der Angriff mit Sicherheitsinteressen begründet. Kritische Perspektiven sehen darin jedoch ein klassisches Muster geopolitischer Machtausübung: militärischer Druck zur Neuordnung regionaler Machtverhältnisse.

Historisch wurden militärische Interventionen wiederholt mit Demokratie oder Menschenrechten legitimiert, während sie faktisch strategischen Interessen dienten, etwa Kontrolle über Einflusszonen, Handelswege oder sicherheitspolitische Dominanz. Beispiele aus Irak, Afghanistan oder Libyen zeigen, dass externe Intervention selten stabile demokratische Strukturen hervorbrachte sondern häufig staatliche Instabilität und Gewaltspiralen vertiefte.

Die Vorstellung eines von außen herbeigeführten politischen Wandels ignoriert zudem gesellschaftliche Realitäten innerhalb des Irans. Bombardierungen ziviler Infrastruktur oder Angriffe mit hohen Opferzahlen stehen im Widerspruch zu jeder glaubwürdigen Freiheitsrhetorik.

WIR VERGESSEN NICHT

Der aktuelle Angriff steht nicht isoliert. Er steht in einer historischen Kontinuität militärischer Interventionen gesteuert von kolonialer Gewaltverhältnisse und geopolitischer Machtpolitik, deren Folgen bis heute Gesellschaften destabilisieren und Konflikte fortschreiben.

Wir vergessen nicht, dass gegenwärtige Eskalationen immer auf bereits bestehenden Machtordnungen aufbauen. Der 12-Tage-Krieg des vergangenen Jahres, die seit 78 Jahren andauernde Nakba und die fortgesetzte Gewalt gegen die palästinensische Bevölkerung zeigen, dass Konflikte nicht plötzlich entstehen sondern historisch produziert werden. Auch die jahrzehntelange Blockade Kubas verdeutlicht, wie wirtschaftlicher Druck als politisches Zwangsmittel eingesetzt wird und ganze Gesellschaften trifft statt politische Lösungen zu schaffen.

Wir vergessen nicht die Geschichte militärischer Gewalt, die als notwendige Sicherheitspolitik oder als Verteidigung von Freiheit legitimiert wurde: Hiroshima und Nagasaki, Vietnam und Laos, Panama, Irak, Afghanistan, Libanon, Syrien und Jemen. Wir vergessen nicht Srebrenica, Sudan und den Kongo sowie zahlreiche Interventionen und Stellvertreterkonflikte, die Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas nachhaltig geprägt haben.

Wir vergessen nicht die koloniale Geschichte afrikanischer, amerikanischer, ozeanischer und asiatischer Kontinente, deren politische und ökonomische Folgen bis heute globale Ungleichheiten strukturieren. Gegenwärtige Konflikte lassen sich nicht verstehen ohne diese historischen Machtverhältnisse mitzudenken.

Wir vergessen nicht bedeutet daher, Gegenwart nicht als Ausnahme zu betrachten sondern als Teil einer historischen Linie. Erinnerung ist kein Rückblick aus Nostalgie, sondern ein politisches Bewusstsein dafür, wie Gewalt legitimiert wird und wer ihre Folgen tragen muss.

FREIHEIT IST KEIN EXPORTPRODUKT

Unterstützung für Menschen, die unter Unterdrückung leben, darf nicht mit Zustimmung zu militärischen Interventionen von außen verwechselt werden. Der Kampf für Befreiung verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie von außen militärisch erzwungen oder für strategische Interessen instrumentalisiert wird.

Der Angriff auf eine Mädchenschule, bei dem über 100 Schülerinnen getötet wurden, zeigt die fundamentale Widersprüchlichkeit einer Politik, die Zerstörung im Namen von Befreiung legitimiert. Freiheit lässt sich nicht durch Gewalt aufzwingen, die genau jene Menschen trifft, in deren Namen sie angeblich erfolgt.

Die iranische Bevölkerung besitzt ein eigenes Recht auf Selbstbestimmung. Nachhaltige politische Transformation kann nur dauerhaft entstehen, wenn sie aus gesellschaftlichen Prozessen selbst hervorgeht statt durch externe Machtprojektion erzwungen zu werden.

Die Geschichte zeigt, dass Imperien selten aus großherzigen Motiven handeln. Befreiung, die an militärische Dominanz gebunden ist, reproduziert häufig neue Abhängigkeiten statt echte Befreiung zu schaffen.

ESKALATION UND TÖTUNG KHAMENEIS

In der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März wurde Irans oberster Führer Ali Khamenei Berichten zufolge durch einen Drohnenangriff der USA getötet. Sollte sich dies bestätigen, markiert dies eine weitere Eskalationsstufe: die gezielte Tötung politischer Führungspersonen durch ausländische Militärmacht.

Solche Operationen demonstrieren technische Präzision moderner Kriegsführung, werfen jedoch grundlegende völkerrechtliche Fragen auf. Gleichzeitig stehen sie im Kontrast zu großflächigen Bombardierungen, deren Hauptlast regelmäßig Zivilbevölkerungen tragen.

Der entscheidende Punkt bleibt: Politischer Wandel entsteht nicht durch militärische Eliminierung einzelner Akteure. Nachhaltige gesellschaftliche Veränderung kann nicht von außen auferlegt werden, sondern muss aus sozialen Bewegungen selbst erwachsen.

SCHLUSS

Unsere Gedanken gelten den Menschen, die unter Krieg, Sanktionen, politischer Unterdrückung und geopolitischer Machtinteressen leiden. Weder geopolitische Machtblöcke, noch militärische Interventionen können echte Freiheit garantieren.

Freiheit entsteht dort, wo Menschen selbst über ihre Zukunft entscheiden können ohne äußeren Zwang und ohne imperiale Interessen.

Von Trauer zu Wut.

Von Wut zu Widerstand.

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