April 1945 (Selbst) Befreiung KZ Buchenwald

BEFREIUNG VON AUSSEN UND INNEN

Heute vor 80 Jahren, am 11. April 1945, wurde das Konzentrationslager Buchenwald befreit. Nicht nur durch das Vorrücken der US-Armee, sondern auch durch den Widerstand der Häftlinge selbst. Über 21.000 Gefangene, darunter mehr als 900 Kinder, sollten noch auf Todesmärsche geschickt werden. Doch antifaschistische Kampfgruppen im Lager handelten, entwaffneten die verbliebenen SS-Wachen und verhinderten die geplante Vernichtungen. Diese Befreiung war keine passive Erlösung, sie war auch das Ergebnis eines jahrelang organisierten antifaschistischen Aufstands hinter Stacheldraht.

DAS KONZENTRATIONSLAGER BUCHENWALD

Das KZ Buchenwald wurde 1937 errichtet, um (männliche) politische Gegner des NS-Regimes auszuschalten: Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, religiöse Antifaschisten. Mit über 130 Außenlagern wurde es eines der größten KZs im Deutschen Reich. Nach Kriegsbeginn kamen zehntausende Menschen aus besetzten Ländern hinzu: Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und sogenannte „Asoziale“. Buchenwald war ein Ort der Ausbeutung und Massenmorde, aber auch ein Ort des Überlebenswillens. Die politische Prägung vieler Häftlinge war Keimzelle für kollektiven Widerstand im KZ.

Die Verbrennungsöfen der Erfurter Firma J.A. Topf & Söhne wurden zum zentralen Symbol und zum Beweis für den industrialisierten Massenmord in den Konzentrationslagern.

DAS INTERNATIONALE LAGERKOMITEE (ILK)

Gegründet 1943 von politischen Häftlingen, bestand das ILK aus Antifaschisten fast aller Nationen im Lager: deutsche Kommunisten, französische Résistance-Kämpfer, polnische Sozialisten, österreichische Juden. Das ILK verstand sich ausdrücklich als überparteiliche internationale antifaschistische Einheitsfront mit dem Ziel, Widerstand zu organisieren, Schutz zu bieten und im entscheidenden Moment zu handeln. Das ILK baute eine militärische Struktur auf, auch in Zusammenarbeit mit dem infiltrierten Häftlingslagerschutz und der Feuerwehr. Waffen wurden versteckt, militärisch erfahrene Genossen ausgebildet: Direkt unter den Augen der SS.

46 NAMEN UND KEINE AUSLIEFERUNG

Am 6. April 1945 forderte die SS 46 Häftlinge ans Lagertor, angeblich führende Köpfe des Widerstands, der durchgesickert ist. Das ILK reagierte im Lager sofort: „Wer die 46 verrät, ist ein Feind. Exekutionen der SS werden nicht mehr geduldet.“ Alle Genannten wurden rechtzeitig versteckt, weil das ILK am Vortag die Liste fand und vorbereitet war: die SS fand keinen einzigen. Diese Aktion war mehr als Verteidigung, sie war ein symbolischer Bruch mit dem Terrorregime. Sie zeigte: Die Häftlinge hatten die Angst überwunden. Allen wurde klar: Erfolgreicher Widerstand war möglich.

Wegweiser zu den SS-Kasernen Buchenwald und dem KZ Buchenwald am Carachoweg, 1940.

TAKTIKEN DES WIDERSTANDS IM KZ

Das ILK agierte im Verborgenen und sabotierte ab April 1945 systematisch die Räumung des Lagers durch Todetransporte. Sie wurden verzögert, Listen manipuliert, besonders gefährdete jüdische Häftlinge versteckt oder durch entfernte Kennzeichen getarnt. Verlässliche Genossen wurden gezielt in Häftlingsfunktionen eingeschleust, um Informationen weiterzugeben oder Kommandos umzuleiten. Auch Falschinformationen an die SS gehörten zur Taktik. Der Widerstand operierte mit Disziplin, Mut und strategischem Geschick und machte das scheinbar Unmögliche möglich.

DER ILLEGALE FUNKSPRUCH “SOS”

Am 8. April 1945 sendete das ILK ein SOS über ein heimlich betriebenes Funkgerät auf Deutsch, Englisch und Russisch: „Hier Konzentrationslager Buchenwald – man will uns evakuieren – die SS will uns vernichten.“ Die Antwort der US-Armee kam schnell: „KZ Buchenwald – aushalten – wir eilen Euch zu Hilfe.“
Der Funkruf war ein Akt politischer Selbstbehauptung und eine klare Botschaft an die Welt: Wir sind hier, wir leben, wir kämpfen.
Mit dem Heranrücken der US-Armee und dem Rückzug der SS entschied das ILK: Jetzt oder nie. Um 14:30 Uhr wurde der Befehl zum Losschlagen gegeben.

DIE BEFREIUNG

Vorbereitet über Jahre griffen die Kampfgruppen koordiniert an: Stromzäune wurden ausgeschaltet, Wachtürme eingenommen, Waffen verteilt. SS-Wachen ergaben sich oder flohen. Um 15:15 Uhr verkündete der Lagerälteste Hans Eiden: „Kameraden, wir sind frei!“
Statt auf eine noch intakte Lagerverwaltung trafen zwei amerikanische Soldaten auf ausgemergelte, aber bewaffnete Häftlinge: befreit, organisiert, entschlossen. Ihre Verwunderung darüber hielten sie später in einem Bericht für die US-Armee fest.

Vier Jugendliche einen Monat nach ihrer Befreiung. Sie stammen aus Jugoslawien, Ungarn und Polen. In der Bildmitte sitzend: der ungarische Häftling Jakob Rosenthal.

DER SCHWUR VON BUCHENWALD

Die Befreiung war auch das Ergebnis kollektiver, internationaler antifaschistischer Organisierung im Konzentrationslager. Das ILK rettete nicht nur Häftlinge vor dem sicheren Tod, es setzte ein Zeichen: Auch im Angesicht totaler Gewalt ist Widerstand möglich. Am 19. April 1945 schworen die Überlebenden von Buchenwald:

„Wir werden den Kampf erst aufgeben, wenn der letzte Schuldige vom Gericht aller Nationen verurteilt ist. Die endgültige Zerschmetterung des Nazismus ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ideal.“

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