Am 11. Juli wird offiziell des Völkermords von Srebrenica 1995 gedacht, dem schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Stadt war bereits ab 1992 einer dreijährigen Belagerung, Hungersnöten, ständigen Massakern und Bombardierungen ausgesetzt. Im Juli 1995 ermordeten serbische Einheiten in Srebrenica systematisch mehr als 8.372 bosniakische Männer, Frauen, Kinder und Neugeborene.
Der damalige Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Streitkräfte, Ratko Mladić, belagerte die Stadt mit der erklärten Absicht, Rache an den „Türken“ – einem mythischen Feindbild im serbischen Nationalismus – zu verüben. Das Massaker war Teil eines Plans zur dauerhaften „ethnischen Säuberung“ Ostbosniens und der Vernichtung der muslimischen Präsenz in der Region.
Bis heute ist das Sprechen über Srebrenica oft von mangelndem Wissen, Verharmlosung und Genozidrelativierung geprägt. Dabei steht Srebrenica als schrecklicher Höhepunkt eines größeren Gewaltkomplexes: Im Zuge des Angriffskriegs auf Bosnien und Herzegowina von 1992 bis 1996 starben über 104.000 Menschen in Todeslagern, Konzentrationslagern, Vergewaltigungslagern und durch zahllose Massaker. Mehr als 50.000 Menschen wurden Opfer von systematisch als Kriegswaffe eingesetzten Vergewaltigungen.
erkennen, wenn er sich mit all seiner Gewalt vor unseren Augen entfaltet und stattdessen die Rhetorik des Friedens erzwingen zu wollen.
Serbischer Faschismus
Der Angriffskrieg Serbiens gegen Bosnien und Herzegowina ab 1992 zielte darauf ab, ein „Großserbien“ zu errichten. Getrieben von antimuslimischem Rassismus planten die serbischen nationalistischen Kräfte den systematischen Völkermord an den Bosniak*innen. Diese Ideologie des serbischen Faschismus ist durch expansionistisches Streben und den Glauben an die Überlegenheit des serbischen Volkes gekennzeichnet.
Die Idee eines „Großserbiens“ reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Serbische Nationalist*innen stützen ihre Ideologie auf antimuslimischen Rassismus und übersteigerten Nationalismus und porträtieren sich selbst als Retter des „christlichen Europa“ gegen die muslimische Bevölkerung. Diese Logik der ethnischen Säuberung und das Streben nach einem homogenen, christlichen Europa wirkt bis heute nach – nicht nur auf dem Westbalkan, sondern auch im globalen rechtsextremen und rechtsterroristischen Milieu.
Genozid und Faschismus
Genozide sind geplante, systematische und ideologische Verbrechen, die auf die gezielte Vertreibung oder Vernichtung bestimmter Gruppen abzielen. Sie geschehen nie zufällig, sondern werden von Täter*innen – seien es Staaten oder nicht-staatliche Akteure – gezielt durchgeführt, um langfristig die Existenz dieser Gruppen auszulöschen.
Häufig werden genozidale Taten mit Argumenten der Selbstverteidigung vor einer angeblich feindlichen Gruppe legitimiert oder als notwendiger Akt zum Überleben der eigenen Gruppe inszeniert. Genozide sind Instrumente kolonialer und faschistischer Herrschaft, die bewusst eingesetzt werden, um Ideologien durchzusetzen oder wirtschaftliche und territoriale Ziele zu erreichen. In einem mehrstufigen Prozess werden die zu bekämpfenden Gruppen entmenschlicht, um ihre massenhafte Tötung zu legitimieren.
Die Kontinuität dieser faschistischen und genozidalen Ideologien zeigt sich in den Verbindungslinien zu heutigem Rechtsterrorismus. Die Attentäter von Christchurch, Utøya, Halle und Hanau teilten ein völkisch-rassistisches Weltbild, in dem eine angeblich bedrohte weiße, christliche Vorherrschaft verteidigt werden muss – analog zu den Feindbildern des serbischen Faschismus der 1990er Jahre. Sie glorifizierten serbische Kriegsverbrecher wie Radovan Karadžić und Ratko Mladić als „Helden“ und „Vorkämpfer“ und übernahmen ihre anti-muslimischen Narrative. Ihre Manifeste, Videos und Livestreams vernetzen sie innerhalb eines internationalen, digitalen Netzwerks rechtsextremer Ideologie, das weiterhin Gewalt gegen religiöse und ethnische Minderheiten als notwendig propagiert, um eine imaginierte christlich-weiße Vorherrschaft zu schützen.
