Mai 1945 Sieg über Nazi Deutschland

EIN SIEG GEGEN DEN FASCHISMUS

Die Alliierten haben das deutsche Nazi-Regime zerschlagen, nicht die Deutschen „befreit“. Denn der Faschismus war keine Fremdherrschaft von Außenstehenden, sondern das Ergebnis einer Gesellschaft, die den Faschismus bis zuletzt größtenteils mittrug. Der 8. Mai war für die überwiegende Mehrheit der deutschen Gesellschaft eine Katastrophe, weil sie besiegt wurden. Wir dürfen nicht vergessen, dass maximal 1 % der Deutschen im Widerstand war. Eine tatsächliche Befreiung war es für die von zügelloser Gewaltherrschaft unterdrückten Millionen von Überlebenden aus Konzentrationslagern, Gefängnissen, Zwangsarbeitslagern und vom deutschen Faschismus besetzten Ländern.

Polnische Häftlinge vor ihrer öffentlichen Hinrichtung, im Vordergrund der polnische Zwangsarbeiter Jan Sowka.

ERINNERN DARF NICHT BESCHÖNIGEN

Das Grauen, das Hitler und seine Anhänger sowie Mitläufer über die Menschheit brachten, ist nur schwer zu begreifen. Sie löschten fast Zweidrittel des europäischen Judentums aus, ermordeten hunderttausendfach Sinti und Roma, Homosexuelle, polnische Menschen und Menschen mit Behinderung und politische Gegner.

Dennoch: Der Massenmord geschah nicht durch fanatische Monster, die nichts mit der deutschen Gesellschaft zu tun hatten, im Gegenteil: Er geschah durch höfliche Mitläufer, wie Shulman richtig schreibt: Nachbarn, die nicht „politisch“ sein wollten, Beamte, die nur „Dienst taten“. Und es könnten wieder eben jene Art von Menschen sein. Die wahren Störenfriede waren die, die sich weigerten, wegzuschauen. Die unangenehmen Widerständigen.

Infografik: Wie viele Menschen wurden von Nazis ermordet?

GEGEN JEDEN VÖLKERMORD

Heute gilt mehr denn je: Schweigen ist Mittäterschaft. Wer wirklich aus der Geschichte lernt, darf nicht ’nett‘ sein, wenn Unrecht geschieht, egal wo oder durch wen. Er muss unangenehm sein. Denn die Mitläufer*innen von damals sind die Warnung: Es sind nicht die Monster, die Geschichte machen, es sind die normalen Menschen, die ihnen den Weg bereiten. Oder sie blockieren.

Es gibt keine Neutralität gegenüber Völkermord. Kein Faschismus, keine ethnische Säuberung, kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat je einen Freibrief verdient. Wer heute bei der systematischer Entmenschlichung, Vertreibung und dem Massenmord an Palästinenser*innen „neutral“ bleibt, ist kein Beobachter. Er ist Komplize. Jeder Faschismus, jeder Genozid, jedes Verbrechen gegen die Menschlichkeit muss beim Namen genannt und bekämpft werden, ohne Ausnahmen, ohne Doppelstandard. Gedenken heißt, zu kämpfen und zu verhindern.

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