Am 8. November 2024 trafen wir uns in Hamburg-Eppendorf, um Stolpersteine zu reinigen und Kerzen anzuzünden. Ein stilles, aber entschlossenes Zeichen des Gedenkens an die Opfer und der Schrecken der Reichspogromnächte am 08., 09. und 10. November 1938 in Deutschland, Österreich und anderen Schauplätzen nationalsozialistischer Gewalt.
Diese Tage sollen die Verletzung und die Verfolgung von Jüdinnen*Juden erinnern, die dem Wahn des völkischen Nationalismus und Antisemitismus zum Opfer gefallen sind.
Während wir die Namen auf den Steinen lasen, wurde uns schmerzlich bewusst, wie gegenwärtig dieses Versprechen sein muss. In Deutschland verzeichnet die AfD Rekordumfragewerte, indem sie mit rechtsextremen und völkischen Positionen den Zeitgeist der Massen erreicht. Dies erinnert an die Entwicklungen in der Weimarer Republik, als die NSDAP in einer von Unsicherheit, gesellschaftlicher Spaltung und wirtschaftlicher Not geprägten Zeit ihren Aufstieg begann.

Die Stolpersteine mahnen uns, die Namen und Geschichten der Getöteten und Verfolgten lebendig zu halten und ein Versprechen zu erinnern: Nie wieder schweigen, wenn Entmenschlichung zu Massentötungen führen.
Nie wieder hinnehmen, wenn Parteien Gründe für die Gewalt an Menschengruppen suchen. Nie wieder Rassifizierung, die in Europa während 1933 und 1945 Millionen Menschen tötete und auch danach hunderte Leben forderte. Nie wieder von nichts gewusst haben. Das Leid, das Nazi-Deutschland erschuf, beruhte nicht nur auf der Brutalität der Täter, sondern auch auf einer Gesellschaft, die durch die „Herrenmenschen“-Ideologie und rassistische Narrative nicht mehr in der Lage war, Kritik an den herrschenden Zuständen zu formulieren oder von diesen unmittelbar profitierte.
Während die breite Bevölkerung sich mit einem unaushaltbaren Zustand anfreundete, bereicherten sich kapitalistische Unternehmen an dem nationalsozialistischen System, etwa durch Zwangsarbeit und Enteignungen. Diese Verbindung zwischen ideologischer Manipulation und wirtschaftlichem Kalkül zeigt, wie Propaganda und wirtschaftliche Interessen ein tödliches Zusammenspiel bilden. Nach 1945 wurde eine aufrichtige Entnazifizierung durch eine Politik des Vergessens ersetzt, die sich heute in Inszenierungen von Entsetzen äußert, statt die Beschaffenheit nationalsozialistischer, rassistischer und antisemitischer Gewalt zu erkennen.
Es beginnt mit der Erschaffung des Feindes.
Wir stellen uns dieser deutschen Tradition entgegen:
Bei eurem Maskenball geben wir den Takt an.
Esther Bejarano
